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Datum : 19-05-2010

Nice, green and beautiful



 Natur pur mitten auf dem Ozean genießen zu können kommt offensichtlich so gut an, dass die US-Reederei Royal Carribean auch das Dritte ihrer neuesten Luxusliner mit einer Naturrasenfläche ausstatten ließ. „The Lawn Club“ heißt die Attraktion für die Passagiere der Celebrity Solstice, Celebrity Equinox und Celebrity Eclipse, die zu den modernsten Kreuzfahrtschiffen weltweit zählen. Die Echtrasenfläche der auf der Meyer Werft in Papenburg gebauten Schiffe umfasst rund 2.000 Quadratmeter. Sie bietet den Gästen reichlich Platz für Boccia, Krocket und andere Rasenspiele. Die Rasenfläche auf Deck 15 der modernen Kreuzfahrtschiffe ist fast 50 Meter über Grund oder besser Meer.
Mit etwa 10.000 Gästen pro Monat und Schiff ist der echte Rasen einer besonders hohen Beanspruchung ausgesetzt. Weitere Stressfaktoren für das Gras sind die ständigen und schnell wechselnden Witterungseinflüsse wie Windgeschwindigkeiten über 160 km/h, extreme Sonneneinstrahlung mit Schattenbildung und die Salzkonzentration in der Luft, rund hundertmal höher als auf einem guten amerikanischen Steak.

Angesichts dieser unberechenbaren Einflüsse klang die Ausschreibung zu diesem Projekt überaus simpel: „Nice, green and beautiful“, hieß es in der Bestellung an Jörg Breuning, Geschäftsführer des amerikanischen Unternehmens Green Roof Service LLC. „Als ich die Ausschreibung sah, dachte ich zuerst an einen Scherz“, erinnert er sich. „Ich konnte mir als Deutscher in Amerika einfach nicht vorstellen, dass es für solch ein einzigartiges und ungewöhnliches Projekt keine vernünftige Ausschreibung gab“.
Nach dem Zuschlag stand der Dachbegrünungsexperte vor weiteren Herausforderungen. So durfte das Gewicht für den kompletten Aufbau der Rasenfläche von 1.800 Quadratmetern keinesfalls 130 Tonnen übersteigen.

Der Naturrasen inklusive Substrat, Drainage, Schutz- und Haltevliese musste in einer dünnen Schicht von zwölf Zentimetern ab Schiffsdeck untergebracht werden. Jörg Breunings jahrzehntelange Erfahrungen im Dachbegrünungsbau halfen allerdings, dafür ein System zu entwickeln, das diesen ungewöhnlichen Anforderungen letztlich gerecht werden konnte. „Herausragend bei diesem Projekt ist neben dem geringen Gewicht der Einsatz von zwei hoch effizienten Bewässerungssystemen: Beregnung von oben und gleichzeitige Bewässerung von unten sind Schlüsselelemente für das erfolgreiche Wachstum des Rasens an Bord der Schiffe“, bestätigt Jörg Breuning. Neben dem lebensnotwendigen Wasser für die Pflanze kann die intelligente und durchdachte Bewässerung die Rasenfläche zudem kühlen und wärmen oder sogar den Salzeintrag durch die Luft oder Regen maßgeblich beseitigen. „Die Wurzeln der Gräser sind geradezu süchtig nach der unterirdischen Bewässerung“, stellt der Dachbegrünungsexperte nach seinen Erfahrungen fest.

Die Abwärme der Schiffsaggregate produziert dabei in einer Hightechanlage bestes Gießwasser direkt aus dem Meer und dies ist praktisch endlos und umsonst erhältlich. Zusätzlich wird das Überschusswasser aus der Rasenfläche in einem separaten 50 Kubikmeter fassenden Tank gesammelt, das dann entweder wiederverwendet wird oder nach Untersuchung von Rückständen zurück in das Meer geleitet werden kann.

Den Abschluss der Rasenfläche am Heck der Schiffe bildet die „Sunset Bar“. Von dort aus lässt sich der Rasen, die untergehende Sonne und das Meer bei einem Longdrink ausgiebig genießen. „Bei jeder Eröffnungsfahrt der Schiffe ist dies der Ort, an dem ich die ganzen Mühen sowie Überstunden vergesse und beginne, die Früchte meiner Arbeit zu ernten“, schwärmt Jörg Breuning: „Erst wenn die Gäste das Gras berühren müssen, um festzustellen, dass es echt ist, war meine Arbeit wirklich erfolgreich und das Ziel erreicht: „Nice, Green and Beautiful.“

Quelle :
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